Runner‘s High: Fakt oder Fiktion?

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Runner‘s High: Fakt oder Fiktion?

Als Runner’s High bezeichnet man das euphorische Gefühl, das Läufer (und viele andere Sportler) während oder nach sportlichen Höchstleistungen erleben.Der Ex-Marathon-Weltmeister Douglas Wakiihuri beschreibt es als „den Zustand, wenn der Körper ganz dem Wunsch deines Geistes folgt“. Lange Jahre konnten Sportwissenschaftler nicht beweisen, ob es dieses Läufer-Hochgefühl wirklich gibt oder ob es sich um ein ganz normales Glücksgefühl handelt.

Im Rausch der Euphorie

Das „Runner’s High“ wird als intensives Hochgefühl beschrieben und häufig mit der rauschhaften Wirkung bestimmter Drogen verglichen. Manche Menschen erleben es als intensiven Glücks-Kick oder müssen dabei sogar weinen. Für andere gehört das Runner’s High ins Reich der Mythen: Laufen könne zwar ein Zufriedenheitsgefühl hervorrufen, doch die intensivste Emotion, die man erlebt, sei wahrscheinlich die Erleichterung nach dem Erreichen der Ziellinie.

Für Douglas Wakiihuri, den Ex-Marathon-Weltmeister aus Kenia, ist das Runner’s High definitiv Realität. „Jeder kann es erleben. Allerdings muss ein normaler Mensch, um dieses Hochgefühlzu erreichen, seine physische Leistung so weit trainieren, dass er mindestens eine Stunde und mehr laufen kann. Anders gesagt: Man muss an einen  Punkt kommen, wo man weiterläuft, obwohl der Körper bereits erschöpft ist. Das ist der anormale Zustand, in dem der Körper nur noch dem Wunsch deines Geistes folgt.“

Mental und physisch

Für Wakiihuri besteht das Runner’s High aus einem mentalen und einem physischen Hochgefühl. „Physisch gesehen musst du die Schwelle vom Normalen zum Anormalen überschritten haben. Beim Trainieren durchläufst du eine schwer zu beschreibende Entwicklung, an deren Ende du nur noch laufen willst, bis du nicht mehr laufen kannst. Im Unterschied zu den kurzen, sich wiederholenden Trainingseinheiten sind Wettkämpfe der einzige Moment, wo du bis zum Äußersten gehst. Dann erlebst du das Runner’s High. Und das ist auch der Grund, warum du immer wieder gewinnen willst!“

„Die andere Seite ist mental. Wenn du dich voll aufs Training konzentrierst, lebst du in einer eigenen Welt, in der du nur noch den Sieg vor Augen hast. Dieser mentale Schub verbindet sich mit der physischen Erschöpfung und erzeugt das perfekte Runner’s High.“

Und obwohl er seine Profikarriere beendet hat, erlebt Wakiihuri dieses Hochgefühl auch heute. „Deshalb laufe ich immer noch jeden Tag. Ich bin nach wie vor hoch motiviert und auch wenn ich physisch nicht mehr auf Weltklasseniveau bin, strenge ich mich immer noch an, um das Hochgefühl zu erreichen.  Und das wird wohl für den Rest meines Lebens so bleiben.“

Glossary

Endorphine:
Endorphine sind chemische Substanzen die die Drüsen des Körpers produziert. Sie können Schmerzen reduzieren und Glücksgefühle steigern.

Freisetzung von Endorphinen

Sportwissenschaftler bemühen sich seit Jahren, dem Phänomen auf den Grund zu gehen und eine biochemische Erklärung für das sagenhafte Hochgefühl zu finden. Lange wurde vermutet, dass die sportliche Betätigung Endorphine freisetzt, was auch die häufigen Stimmungsschwankungen bei Sportlern erklären könnte. Doch die Forscher standen vor einer methodischen Hürde: Bis vor kurzem war es nur durch eine Punktierung der Lendenwirbelsäule möglich, Endorphine im Gehirn nachzuweisen. Und es ist natürlich undenkbar gewesen, Sportler vor und nach dem Training dieser Prozedur zu unterziehen.

Urteil der Fachwelt

2008 veröffentlichte ein Team deutscher Forscher einen Artikel in der Fachzeitschrift Cerebral Cortex, in dem sie über eine Methode zur genauen Messung der Endorphine vor und nach sportlicher Aktivität berichteten. In einem Experiment haben sie 12 Athleten untersucht und den Endorphinspiegel in ihrem Gehirn gemessen. Nach einem zweistündigen Lauf wurden sie erneut getestet. Das Ergebnis: „Nach dem Lauf war der Endorphinspiegel signifikant erhöht.“

Damit herrscht endlich Klarheit: Das Runner‘s High ist Fakt, nicht Fiktion.

Expertenbeitrag von Douglas Wakiihuri. Wakiihuri ist ein nicht mehr aktiver Kenianischer Marathonläufer. Er holte als erster Kenianer eine Goldmediallie (Weltmeisterschaft 1987 in Rom) für den Marrathon. 1988 holte er die Silbermediallie bei den olympischen Sommerspielen in Seoul. Wakiihuri war immer bestens erkennbar: Er war der einzge Läufer, der immer weiße Handschuhe trug.

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