Warum gerade 42,195 km oder 26 Meilen und 385 Yards?
Der Marathon ist einer der populärsten Läufe der Welt. Jährlich finden weltweit Hunderte von Marathonläufen statt. Woher aber stammt diese krumme Distanz von 42,195 km bzw. 26 Meilen und 385 Yards?
„Wir haben gesiegt!“
Wichtig zu wissen ist: Marathon ist ein Ort. Nahe dieser griechischen Stadt wurde 490 v. Chr. die Schlacht bei Marathon zwischen Persern und Athenern ausgetragen, aus der die Athener siegreich hervorgingen. Der Legende nach wurde der Bote Pheidippides zurück nach Athen gesandt, um die Kunde des Sieges der Athener zu überbringen. Er lief die gesamte Strecke von Marathon nach Athen und überbrachte die Botschaft über den Sieg mit den Worten „Wir haben gesiegt!“, worauf er zusammenbrach und vor Erschöpfung starb.
Obwohl am Wahrheitsgehalt der Legende Zweifel bestehen (Historiker sind sich bis heute darüber uneinig), beträgt die Strecke von Marathon nach Athen tatsächlich 42 Kilometer. Die Idee zu einem Rennen mit dieser Distanz wurde allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgegriffen.
Spyridon Louis
Der moderne Marathonlauf steht allerdings anderweitig mit dem antiken Griechenland in Verbindung, und zwar über die Olympischen Spiele. Alle vier Jahre hielten die Griechen in Olympia die Olympischen Spiele ab, ein bedeutendes, zu Ehren des Gottes Zeus ausgetragenes Sportereignis. Dem Ursprung dieser Tradition liegen verschiedene Legenden zugrunde. Wahrscheinlich wurden die Spiele jedoch im 8. Jahrhundert v. Chr. eingeführt und die Tradition wurde über mehr als tausend Jahre fortgeführt.
Die olympische Tradition wurde im 19. Jahrhundert in Europa wiederbelebt. Im Zuge dessen wurde auch die Einführung eines Langstreckenlaufs, des Marathons, beschlossen. Die entscheidende Idee zum Marathonlauf stammt von dem französischen Philologen Michel Bréal, die er an Pierre de Coubertin, den Begründer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), herantrug.
So wurde der Marathonlauf als Disziplin bei den ersten 1896 in Athen ausgetragenen Olympischen Spielen der Neuzeit aufgenommen. Siebzehn Läufer nahmen damals teil, von denen nur neun das Ziel erreichten. Als Sieger ging der Grieche Spyridon Louis aus dem Rennen hervor. Die damalige Marathonstrecke betrug exakt 40 km. Dies war allerdings nur eine vom IOC vorgegebene Richtlinie, da die Distanz bei den Spielen üblicherweise den örtlichen Verhältnissen des Veranstaltungsortes angepasst wurde. Die Streckenlänge von 42,195 km wurde erst 1921 offiziell festgelegt. Grund dafür waren zum einen die 1908 in London ausgetragenen Olympischen Sommerspiele. Als Ausgangspunkt für die Marathonstrecke diente das neue Olympiastadion im Londoner Stadtteil Shepherd's Bush. Gestartet werden sollte vom Schloss Windsor. Nach dem Ausmessen der damals üblichen Strecke von 25 Meilen (40,23 km) war man immer noch eine ganze Meile vom Start entfernt. Bei der Ostterrasse des Schlosses kam man schließlich auf 26 Meilen, da aber die Athleten an der königlichen Loge vorbeilaufen sollten, wurden der Strecke kurzerhand noch die fehlenden 385 Yards hinzugefügt – und da waren sie, die 42,195 km. Aber erst ein weiterer Umstand führte zur offiziellen Einführung dieser Distanz, und zwar die bei den Londoner Spielen entstandene Rivalität zwischen dem Briten Dorando Pietri und dem Amerikaner John Hayes. Pietri erlitt kurz vor dem Ziel einen Schwächeanfall und wurde über die Ziellinie getragen, was zu seiner Disqualifizierung und zum Sieg des Amerikaners führte. Daraufhin wurden in den USA mehrere Revancheläufe zwischen den beiden Athleten – natürlich unter den gleichen Bedingungen – ausgetragen. Also wurde auch hier eine Streckenlänge von 42,195 km gewählt. Diese Läufe erfreuten sich auch bei anderen Athleten wachsender Beliebtheit. 14 Jahre nach den Olympischen Spielen von London schrieb dann auch das IOC die so zum Standard gewordene Distanz offiziell fest.
Teilnahme von Frauen am Marathon
Der Marathonlauf erfreute sich wachsender Beliebtheit, blieb jedoch bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ausschließlich Männern vorbehalten. Gegen diese Regelung wurde immer stärker von Seiten weiblicher Athleten protestiert. Frauen nahmen mitunter inoffiziell an Marathonläufen teil. Am bekanntesten ist die erfolgreiche Teilnahme von Kathrine Switzer am Boston-Marathon 1967.
Trotzdem wurde der Frauen-Marathon erst 1984 offiziell olympische Disziplin. Bei den 1984 in Los Angeles ausgetragenen Spielen gewann Joan Benoit als erste Frau den olympischen Marathon.
2500 Jahre Marathon
2010 wurde weltweit das 2500-jährige Jubiläum des Marathons feierlich begangen. Überall auf der Welt fanden zu diesem Anlass Marathonläufe statt. Die Teilnehmerzahl von Athletinnen steigt kontinuierlich und mittlerweile finden zahlreiche Marathonläufe nur für Frauen statt. Eine von ASICS durchgeführte eropaweite Studie zeigt, dass der Marathon auch 2500 Jahre nach dem schicksalshaften Lauf des Pheidippides heute so populär ist wie nie.



