Hans Linderberg ist mit Dänemark zum zweiten Mal Handball-Europameister.
Von Tina Schlosser
Seine Leidenschaft ist Schokolade, er möchte nie so berühmt sein wie Britney Spears – aber eines will er immer: Siegen!
Diesen Wunsch hat sich Hans Lindberg einmal mehr erfüllt. Seit Sonntag
ist er mit Dänemark zum zweiten Mal Handball-Europameister. Nach einem
21:19 Finalsieger gegen Gastgeber Serbien. Hans Lindberg (30) ist einer
der besten Rechtsaußen der Welt, seit 2007 spielt er für den HSV Handball.
Er gilt als der absolute Teamplayer. Von ihm stammt das Zitat:
„Alle Tore sind wichtig. Wer sie im Endeffekt macht, ist doch völlig egal."
Und er ist ein harter Hund, nicht nur im Spiel. Am Montag stand er bei
Minus 2 Grad im roten Siegershirt und Jeans auf dem Rathausbalkon in Kopenhagen,
ließ sich von 20 000 Fans feiern und von Kronprinz Prinz Frederik gratulieren.
„Als wir 2008 Europameister wurden, waren wir drei Tage im Rausch, mal
sehen ob wir das wieder schaffen“, sagte Lindberg. Er ist zufrieden. Für
Lindberg gibt es im Sport nichts Schlimmeres als Zweiter zu werden. „Das
ist nicht mein Anspruch.“
Handball gilt als die härteste Ballsportart. Es gibt nachweislich keine
Sportart, die höhere Anforderungen stellt. Auch an die Ausrüstung. Die
schweren Kerle wringen, stauchen, knicken ihr Schuhmaterial wie kein anderer
Sportler. Ein Spiel zählt Schuhtechnisch zur Kategorie Materialverwüstung.
Lindbergs ASICS Handball-Schuhe tragen nicht umsonst den Namen „Blast“,
was im englischen mit einer „spontanen Explosion“ übersetzt wird. Nach
spätestens drei Monaten hat ein Profi-Schuh ausgedient, manche sind sogar
schon nach 7 Wochen durch.
Hans Lindberg schien mit seinem Nationalteam nach der Vorrunde schon das
Heimticket in der Hand zu halten. Ohne Punkte zogen sie in die Hauptrunde
ein. Aus eigener Kraft konnten sie es nicht schaffen. Aber dann folgten
5 Siege in Folge, Deutschland verlor gegen Polen und machte damit den Weg
für Dänemark ins Halbfinale frei. „Ich kann das alles noch nicht ganz glauben.
Es passt aber zu meiner Grundeinstellung: Niemals aufgeben, es kann immer
viel passieren, und solange man noch eine Chance hat: Weitermachen und
Gas geben! Klar benötigt man auch Glück, und gerade wir waren auf andere
Teams angewiesen. Aber wie sagt ihr in Deutschland? Glück hat nur der Tüchtige!
Wir mussten trotzdem unsere Spiele gewinnen und das haben wir gemacht“.
„Es ist eine Cinderella-Story“, sagte Lindberg. Dementsprechend titelte
auch die heimische Presse „Berlingske Tidende“: „Das hässliche Entlein
wurde Europameister.“
Lindbergs Heimatverein HSV hat ihm eine Woche Auszeit gegönnt. Sie hatten
dabei wohl das Bild von Lindberg nach dem Finale im Kopf, als er sich aufgestützt
auf seine Knie kaum noch auf den Beinen halten konnte, aber noch genau
einen Satz heraus brachte. Nämlich: „Ich bin voll müde, ich habe nur noch
Kräfte zum Feiern.“ Einzige Bedingung: Am 8. Februar muss er pünktlich
gegen die Füchse Berlin sein Trikot überziehen. Für Lindberg kein Problem.
„Sobald ich auf dem Platz stehe, gibt es für mich nur eins, alles tun für
den Sieg!“



