Viktor Röthlin

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"If you can dream it - you can do it."
Der 1. August ist nicht mehr nur der Feiertag der Schweiz, sondern jetzt auch jener von Marathonläufer Viktor Röthlin. Der 35-jährige Obwaldner gewann an den Europameisterschaften in Barcelona in einer Zeit von 2:15:31 die Goldmedaille.

Röthlins Marathon-Sieg ist eine unglaubliche Geschichte. Nimmt man seine letzten Resultate zum Massstab -- an den EM 2006 in Göteborg sicherte er sich Silber, an den WM 2007 in Osaka Bronze und an den Olympischen Spielen in Peking war er als Sechster bester Weisser und Europäer -- stellt der EM-Titel eigentlich nur die logische Fortsetzung dar. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit, denn Röthlin blickt auf ein Horror-Jahr zurück. Im März 2009 erlitt er zwei Lungenembolien und war dem Tod nahe; im November 2009 musste er sich einer Fersenoperation unterziehen.

Chef in der Hitzeschlacht

Deshalb ist die Leistung von Röthlin im ersten Marathon seit beinahe zwei Jahren nicht hoch genug einzuschätzen. Umso mehr, als er seinen Gegnern in einer Hitzeschlacht nicht den Hauch einer Chance liess. Der Innerschweizer war von Anfang an der Chef im Feld. Er hielt sich stets in den vorderen Positionen auf, schloss Lücken. Nach 25 Kilometern bestand die Spitzengruppe nur noch aus vier Athleten; zwischen Kilometer 27 und 28 vermochte keiner mehr Röthlin zu folgen. Dies lag allerdings nicht daran, dass der Schweizer schneller wurde, er zeigte einfach das stabilste Rennen.

Bei Kilometer 30 erschien Röthlin mit einem Vorsprung von elf Sekunden auf den späteren Silbermedaillengewinner José Manuel Martinez, fünf Kilometer später betrug dieser bereits eine Minute und im Ziel 2:19. Eine grössere Differenz zwischen dem Sieger und dem Zweiten hatte es letztmals 1958 in Stockholm in einem EM-Marathon gegeben, als Sergej Popow aus der damaligen Sowjetunion seinen Landsmann Iwan Filin um 5:33 Minuten distanzierte. "Bei Kilometer 35 war ich mir sicher, dass ich gewinne. Bei Kilometer 40 habe ich angefangen, es zu geniessen", sagte Röthlin, der erst am Donnerstag in die katalanische Hauptstadt gereist war. Martinez sicherte sich an den dritten Europameisterschaften in Serie eine Medaille, nachdem er 2002 Gold und 2006 Silber über 10'000 m geholt hatte. Dritter wurde der Russe Dimitri Safronow, der erst seinen fünften Marathon bestritt.

Minutiöse Vorbereitung mit "Cool-Pads"

Das Tempo war während des ganzen Marathons nie sehr hoch. Die beste Kilometerzeit betrug 3:07 Minuten, die beste Abschnittszeit über 5 km war 15:33 Minuten (zwischen Kilometer 15 und 20). Dies verdeutlicht, wie schwierig die Bedingungen auf Grund der Hitze waren. "Weltklasse"-Direktor Patrick Magyar bezeichnete es als "grenzwertig", dass nicht früher als um 10.05 Uhr gestartet worden war. Es kommt jedoch nicht von ungefähr, dass Röthlin am besten mit den Bedingungen zurecht kam. Der Läufer des STV Alpnach ist ein Perfektionist, er achtet auf jedes Detail. So benutzte er beispielsweise vor dem Wettkampf und während der Startphase des Rennens "Cool-Pads", um die Körperkerntemperatur tief zu halten, was sich bereits in Peking bewährt hatte. "Das hat mir Sicherheit gegeben, weil ich wusste, dass ich in der Hitze bestehen kann."
Röthlin ist nach Fritz Schwab (1950/10 km Gehen), Philippe Clerc (1969/200 m) und Werner Günthör (1986/Kugel) erst der vierte Schweizer Leichtathletik-Europameister. Insgesamt war es für Swiss Athletics der 23. Podestplatz an kontinentalen Titelkämpfen. Mit diesem Sieg bewahrte der diplomierte Physiotherapeut sein Land -- wie vor vier Jahren -- vom ersten EM-Medaillen-Nuller seit Athen 1982. Diese starke Leistung wurde auch von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey gewürdigt, die ihn kurz nach dem Sieg vom Kanton Obwalden aus anrief und ihm gratulierte.

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